werkraumtheater-Rückschau-Produktionen-2017

Der Entropist von Robert Wolf

Uraufführung 5. Mai 2017 werkraumstudio

Synopse

Der Entropist – Oder die Übüs auf der Suche nach dem Glück  von Robert Wolf

Bearbeitung, Regie:  Blauensteiner & Kanzian Uraufführung 5. Mai 2017

„Um die Größe des Glücks geht es!“, so der Entropist, der als Physiker versucht die Welt zu entmystifizieren. Er zwängt das Große und Nichtfaßbare dieser Welt, in kleine Zahlen und eckige Formeln. 

Er will begreifen, doch greift er immer wieder ins Leere –zumindest bei dem persönlichen Experiment Leben. Einsam, allein und ganz in sich zurückgezogen, scheitert das Genie an sich selbst. 

Das Prinzip der Entropie, die stetige Bewegung von Ordnung zur Unordnung, macht auch vor ihm und seinem Privatleben nicht halt. Eine Zweisamkeit scheint nicht möglich. Nur seine Mutter hat Verständnis für ihn. 

Doch kann der Entropist, der sich mehr und mehr in seinem Arbeitszimmer in seine ganz eigene Wirklichkeit hineindenkt, überhaupt von jemandem verstanden werden? Versteht er sich selbst?

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Ein Erlebnisexperiment zur Frage des Glücks

Wahrscheinlich wahrscheinlich – aber unwahrscheinlich unwahrscheinlich.

Sie drücken also die Grösse des Glücks, bzw. die Grösse des Schweinhabens mit dieser algebraischen Formel aus?

Sie sind ein mutiger Mann. Ich weiß.

In ähnlicher Weise bildet sich von selbst, um einen simplen Fall zu nehmen, in einem Gas mit seinen trillionen Atomen, jene Verteilung aus, die unter den gegebenen Verhältnissen, durch die meisten Kombinationen hergestellt werden kann.

Und diese Verteilung ist vollständige Unordnung, absolute Unordnung

KRONE   Sonntag, 7. Mai 2017   

„Der Entropist“ im werkraumtheater

Eine Formel fürs Glück

Seit geraumer Zeit stehen die Übüs im Zentrum der Arbeiten des Werkraumtheater Graz. Dieses Mal ge­ben die von Pataphysiker Alfred Jarry ersonnenen Fi­guren das Stück „Der Entropist“ von Robert Wolf ..

In einer Zeit omnipräsenter Glücksversprechungen, kann man auf der Suche nach der ganz persönlichen Erfüllung schon mal den Kopf verlieren. Und so ist es wenig überraschend, dass die Übüs in der „Entropist“ im Irrenhaus landen und sich ihrer Dauertherapie mit einem Mix aus philosophischer Hochstapelei und Nonsens stellen.

Robert Wolf hat dafür den perfekten Text geliefert, der die skurrilen Machen­schaften der Glücksrittermit gewitzter Fabulierlust bloßstellt.

Schlicht und auf den Punkt inszeniert, ist dieser herrlich ernüchtern­de Abend (bis 16. Juni) eintoller Startpunkt für eigene Gedankenexperimente.  

Christian Hartner   

KLEINE   Mittwoch, 10. Mai 2017

 werkraumtheater

Suche nach dem Sinn

Verwirrendes Finale einer absurden Theatertrilogie.

Ein Entropist will das Glück in Formeln zwängen, geht daran jedoch zugrunde. Im gleichnamigen Theaterstück des Grazers Robert Wolf (52) ist dies der Wiener Wissenschaftler Ludwig Boltzmann, der sich 1906 mit 62 Jahren das Leben nahm. Vater, Mutter und Sohn Übü sind die Pro­tagonisten einer Trilogie.

Sie sind nach zwei Episoden Schreckensherrschaft im Irrenhaus gelandet. Nach „Die Übüs in Ketten“ verpflanzt das Werkraumtheater Teil3 seines Königsdramas in die gescheiterte Existenz eines genialen, aber vereinsamten Denkers.

Unter der Regie von Franz Blauensteiner und Rezka Kanzian trifft absurdes Thea­ter auf eine Abhandlung über den Sinn des Lebens. Groteske Spielelemente ver­mischen sich mit algebraischen Erklärungsversuchen. Grell geschminkte Clowns experimentieren mit der Wahr­scheinlichkeitsrechnung.

Auf den Kopf gestellte Sessel funktionieren als reduzierte Kulisse. Interpretationshilfen gibt es keine, die den Handlungen zugrunde liegende Botschaft muss vom Publikum selbst entziffert werden. Auf eine schlüssige Erklärung wird es dabei aber nicht stoßen. Das entspricht dem absurden Theatergenre und dem physikalischen Modell der Entro­pie.

Ein Experiment, das einen in Verwirrung hinterlässt.

Julia Braunecker     

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