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Literatur und Musik

Rezka Kanzian Seit 1995 Mitbegründerin und Leiterin des werkraumtheater.
Rezka Kanzian

Rezka Kanzian Im Rahmen die Andere Seiten & Saiten Drugačne & Strani Strune, der zweisprachigen deutsch-slowenischen Veranstaltungsreihe werden slowenische KünstlerInnen dem Grazer Publikum vorgestellt. Eine interkulturelle Kooperation zwischen Kulturinstitutionen und Künstlerinnen diesseits und jenseits der Grenze, die ja im europäischen Sinne keine mehr ist und sein sollte, im Sinne einer »sprachlichen Vielfalt in der Einheit«.

Susanne Weitlaner, Präsidentin des Artikel-VII-Kulturvereines das Pavelhaus
Susanne Weitlaner

Susanne Weitlaner Präsidentin                          des  Pavelhaus / Pavlova hiša                     Kooperationspartner                                                      Inst. Graz / Slavistika Gradec                                    Festival Ljubezni – Kibla Maribor                           Literaturhaus Maribor                      

 

Pavelhaus Pavlova hiša 1988 wurde an der Grazer Universität von einer engagierten Gruppe um den Philosophieprofessor Wolfgang Gombocz der Artikel-VII-Kulturverein gegründet, der die im Staatsvertrag von 1955 verbrieften Rechte der slowenischen Volksgruppe in der Steiermark vollständig umgesetzt sehen wollte. Im Jahr 1995 konnte vom Verein schließlich ein verfallenes Bauernhaus im kleinen Dorf Laafeld/ Potrna in der Gemeinde Radkersburg-Umgebung erworben werden. Dieses wurde mit finanzieller Unterstützung der Republiken Österreich und Slowenien renoviert und in den folgenden Jahren zu einem zeitgemäßen Kulturzentrum ausgebaut. Anfangs von einigen in der Region abgelehnt war es auch Ziel einer Briefbombe des Bombenbauers Franz Fuchs. Die offizielle Eröffnung des Pavelhauses im Mai 1998 fand noch unter strengem Polizeischutz statt.  >>>

Janko Messner

Janko Messner Das eine Wort grenzt nicht mehr an das Andere, auch wenn es nicht die gleiche Sprache spricht. Du sprichst eine Sprache, die in meinen Ohren fremd klingt. Aber jede Sprache ist Musik in offenen Ohren und offenen Herzen. 1921-2011       

Slowenisch-Kärntner Schriftsteller, engagierter Kämpfer für Minderheits- und Menschenrechte Messner war einer der bekanntesten Literaten Kärntens, der in slowenischer Sprache schrieb. Als streitbarer Kämpfer für Minderheits- und Menschenrechte nahm sich Janko Messner nie ein Blatt vor den Mund. Neben seiner literarischen Arbeit war er stets auch politisch aktiv, so kandidierte er 1999 gemeinsam mit Alfred Hrdlicka auf der Kärntner Liste der KPÖ für die Nationalratswahl. 2002 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, das er vier Jahre später an Bundespräsident Heinz Fischer zurückschickte, weil der ORF seinen Film „Vrnitev/Die Rückkehr“ nicht ausstrahlte. In dem Film geht es um die Vertreibung von Hunderten Kärntner slowenischen Familien durch die Nazis im April 1942, ein Ereignis, das in Kärnten jahrzehntelang totgeschwiegen worden war. Zuletzt hatte die Autorin Maja Haderlap mit ihrem Roman „Engel des Vergessens“ dieses Schweigen gebrochen. Messner wurde am 13. Dezember 1921 in der kleinen Ortschaft Aich/Dob nahe Bleiburg/Pliberk geboren. Er absolvierte in Klagenfurt und in St. Paul im Lavanttal das Gymnasium. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er zur Wehrmacht eingezogen und 1945 von britischen Truppen gefangen genommen. Messner flüchtete nach Jugoslawien, studierte in Ljubljana Germanistik, Slawistik und Romanistik und unterrichtete anschließend am Gymnasium in Ravne unweit der Kärntner Grenze. 1955 bekam Messner Probleme mit dem jugoslawischen Staatssicherheitsdienst und kehrte nach Kärnten zurück. 1963 erhielt er einen Job als Lehrer am slowenischen Gymnasium in Klagenfurt, wo er bis 1980 unterrichtete. In seinen Büchern thematisierte er immer wieder den Widerstand der Kärntner Slowenen gegen den Nationalsozialismus und die Behandlung der Volksgruppen in der Zweiten Republik. Er beließ es aber nicht nur beim Schreiben, sondern engagierte sich auch politisch. So gab es kaum eine Demonstration zum Thema Minderheitenschulwesen oder zweisprachige Ortstafeln, die ohne Messner stattfand. Er schrieb Prosa, aber auch Lyrik, zu seinen bekanntesten Büchern gehört der Band „Schwarzweiße Geschichten“ (1995). 1980 erschien sein „Kärntner Heimatbuch“, zu dem Peter Turrini ein Begleitwort verfasste. Er schrieb ein „Kärntner Triptychon/Koroski triptih“, 2002 veröffentlichte er „Kako sem postal gospod – Wie ich ein Gospod wurde“, im Jahr darauf erschien „Grüßgott – Slowenenschwein“. Der Drava Verlag veröffentlichte in diesem Herbst die letzten zwei Bände seiner sieben Bände umfassenden „Ausgewählten Werke“. Würdigungen In einem Nachruf würdigte ihn Kulturministerin Claudia Schmied als „streitbaren und unbeugsamen Dichter“: „Seine Identifikation mit der slowenischen Volksgruppe kennzeichnete seine Arbeit. Sein Werk zählt unbestritten zu den wichtigen Werken der zeitgenössischen österreichischen Literatur. In berührender Weise schildert er die tiefen Verletzungen, die Nationalismen, Krieg und Diskriminierungen bewirkt haben. Seine öffentlichen Auftritte beeindruckten alle, die von der Zukunft eines gemeinsamen Österreichs aller Volksgruppen und -sprachen überzeugt waren. Mit seinem Tod verliert Österreich einen sprachmächtigen Dichter und Mahner“. Der Kultursprecher der Grünen Wolfgang Zinggl schrieb: „Mit Janko Messner ist der wahrscheinlich spitzzüngigste Kritiker der unseligen Kärntner Zustände verstorben. Messners Biografie, seine Jahre in einer Strafkompanie der Wehrmacht, sein Konflikt mit Jugoslawien nach dem Krieg, seine späte dichterische Berufung und seine sowohl auf Slowenisch als auch auf Deutsch vorgetragenen scharfen Polemiken und hochpolitischen Gedichte sind untrennbar mit dem Kampf der Kärntner SlowenInnen um ihre Minderheitenrechte verbunden. Ein großer Österreicher ist abgetreten; seine Stimme wird uns fehlen“, erklärt Zinggl und ergänzt: „Der Tod des Autors sollte für den ORF der Anlass sein, endlich Messners lebenslangen Wunsch zu erfüllen und den 1976 entstandenen Film ‚Vrnitev – Die Rückkehr“ auszustrahlen.'“ Kärntens Kulturlandesrat Harald Dobernig von der FPK würdigte neben der literarischen Arbeit Messners auch dessen „streitbares sozialpolitisches Engagement“. Sein literarisches Wirken sei durch einen besonderen Blick auf die Probleme der slowenischen Volksgruppe geprägt gewesen. Der Kärntner SPÖ-Chef Petzer Kaiser meinte, mit Messner verliere das Land einen seiner bekanntesten Autoren und eine für viele unbequeme, aufrechte und immer mahnende Persönlichkeit.